20 Jahre selbständig – das gibt mir eine große Zufriedenheit

Dieser Tage bin ich seit 20 Jahren selbständig. Das heißt im unternehmerischen Sinne selbständig. Und ich kann ehrlich sagen, dass ich mir (fast) nichts Schöneres vorstellen kann als Unternehmer selbstständig zu sein. Es gibt mir eine große Zufriedenheit, dass ich in der Lage bin mein ganzes Leben eigenverantwortlich zu gestalten.

Ich habe mal jemanden getroffen, der gesagt hat, also sein Steuerberater sei kein Unternehmer, das sei ein Buchhalter, aber keinesfalls ein Unternehmer. Also gut, es gibt Steuerberater, die sind nicht unternehmerisch eingestellt, sie kommen nicht hinter ihrem Schreibtisch hervor, sie haben Angst aktiv zu sein und verdienen nicht die Bezeichnung „Unternehmer“.

 

Ein Unternehmer „unternimmt“ etwas

Deshalb heißt er ja Unternehmer. Würde er nichts unternehmen, hieße er ja „Nicht-Unternehmer“ oder „Passivist“ oder „Pessimist“. Jedenfalls glaube ich von mir mit „Fug und Recht“ behaupten zu können, dass ich ein Unternehmer bin, der zufällig (auch) Steuerberater ist.

 

Vom Beamten zum Unternehmer

Nachstehend ein kleiner Überblick wie es dazu kam, dass ich aus dem Beamtenstatus heraus selbständig geworden bin.

1982 habe ich die Mittlere Reife erworben. Meine Lehrer waren der Meinung, ich müsse unbedingt Abitur machen. Das geschah zunächst nicht. Es war eine Zeit in der die Ausbildungsplätze knapp waren angesichts der großen Jahrgänge 1964 und 1965. Meine Eltern, eine treusorgende Arbeiterfamilie, mein Vater alleinverdienender Baggerfahrer, meine Mutter Hausfrau mit vier Kindern, waren froh, dass ich mit drei Bewerbungen, die ich geschrieben hatte, drei Zusagen für einen Ausbildungsplatz bekommen hatte: Finanzamt, Justiz und AOK. Alles im Arbeitersinne „sichere“ Stellen; das war meinen Eltern sehr wichtig. Ich solle doch lieber eine „sichere“ Ausbildungsstelle annehmen, die zu einer Lebensstellung als Beamter führt als das Abitur zu machen, war die Meinung, der ich mich (zunächst) fügte.

 

„Steuern“ wird es immer geben

Ich musste mich entscheiden. Steuern, so sagte ich mir, wird es in irgendeiner Form immer geben. Also fiel die Wahl eher zufällig auf die Ausbildung im mittleren Dienst der hessischen Finanzverwaltung. Die Ausbildung war „top“, das was danach kam eher ernüchternd, was die Perspektiven anging.

Und so war mein Umfeld total entsetzt, dass ich mich 1987, drei Jahre nach Ende der Ausbildung, von der Finanzverwaltung verabschiedet habe. „So einen sicheren Job gibt man doch nicht freiwillig auf“, sagten viele.

1988 machte ich mein Fachabitur, danach studierte ich BWL und Anfang 1992 trat ich eine Stelle als Prüfungsassistent und Steuerassistent bei der Steuerberatungsgesellschaft und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Gießen bzw. Wiesbaden an. Nach kurzer Zeit war ich die rechte Hand des Chefs. Nach Ablegung des Steuerberaterexamens  in 1995 bot man mir die Partnerschaft an: in einer Kanzlei mit ca. 40 Mitarbeitern.

Das hätte bedingt, dass ich den Wohnsitz nach Wiesbaden hätte verlegen müssen. Meine Frau und ich wollten das aber nicht. Wir hatten bereits in Dillhausen gebaut und wollten hier wohnen bleiben und dass unsere Kinder in einem guten ländlichen Umfeld groß werden.

Nach einem Zwischen-Intermezzo bei der Leasinggesellschaft des VR-Verbandes ergab sich die Möglichkeit in Löhnberg eine kleine Kanzlei mit vier Mitarbeitern zu übernehmen.

 

Einige schlaflose Nächste bis zum „Ja“ für die Selbständigkeit

Einige schlaflose Nächte und Gespräche über „Ja oder Nein“ mit meiner Frau brachten schließlich die Entscheidung pro Selbständigkeit. Das bedeutete eine Investition, die größer war als der Bau unseres Einfamilienhauses gekostet hatte, ein völlig neues Umfeld, völlig neue Mandanten, neue Mitarbeiter, einfach alles neu.

 

„Das ist ja Perlen vor die Säue geschmissen“

sagte damals mein Chef zu mir. Bei uns können Sie große Unternehmen betreuen und bei der „Feld-, Wald- und Wiesen-Kanzlei“ betreuen Sie „BMW´s“, also Bäcker, Metzger, Wirte.

Ich habe damals zu meinem Chef gesagt: Das mag als Ausgangsbasis so sein, aber das ist nur der Anfang. Und im Übrigen ist auch nichts Schlimmes daran kleinere Unternehmen zu beraten und zu betreuen. Ich habe schon ein genaues Bild vor Augen, wo ich mit der Kanzlei hin will. Gesagt getan. So begann in 1997 meine selbständige Tätigkeit als „Einzelkämpfer“ – mit finanzieller Unterstützung der Kreissparkasse Weilburg und jeglicher Unterstützung meiner Frau Birgit. 1995 hatte ich das Steuerberater-Examen abgelegt, 1996 hatten wir unser EFH gebaut. 1994 und 1996 kamen unsere beiden Töchter Julia und Lisa zur Welt. Und  1997 war ich selbstständig.

 

 Es ging irgendwie alles „Schlag auf Schlag“

Aus heutiger Sicht weiß ich ehrlich gesagt gar nicht mehr, wie das von der Belastung so alles geklappt hat.  Ohne meine Frau und ihr grenzenloses Verständnis und ihre Unterstützung wäre das unmöglich gewesen.

Ein Schritt ergab den nächsten. Die neuen Mandanten blieben zu meiner Freude ausnahmslos bei mir, genauso wie die übernommenen Mitarbeiter. Und „irgendwie“ setzte eine Entwicklung ein, die weitere Mandanten zu mir brachte und das wiederum neue Mitarbeiter und neue Räumlichkeiten.

So kam es, dass ich 1999 rd. 3,5 Mio. DM in die neue Kanzlei im Grünen Weg in Löhnberg investiert habe. Ein weiterer bedeutender Schritt in kurzer Zeit hin zur Realisierung der Vorstellung eine Kanzlei mit umfassender Ausrichtung aufzuleben und zu etablieren.

Nach gewissen Fehlern in der Auswahl von Partnern fügte sich alles zu der Entwicklung, die heute zu sehen ist:

 

MCP – Zukunftswerkstatt für den Mittelstand

www.mcp-steuer.de

Eine Kanzlei mit ca. 70 Mitarbeiter, die interdisziplinär aufgestellt ist:

  • Steuerberatung
  • Wirtschaftsprüfung
  • Rechtsberatung
  • Betriebswirtschaftliche Beratung
  • IT-Consulting
  • und mehr

Ich hatte zwar am Anfang ein gewisses Bild. Die Entwicklung aber war wesentlich positiver als ich zu Beginn gedacht habe.

Darüber hinaus kamen weitere unternehmerische Beteiligungen, Aktivitäten und Initiativen hinzu.

Natürlich lief nicht alles glatt. Aus Fehlern kann man aber lernen.

 

Wichtig ist die persönliche Weiterentwicklung

Was wusste ich zu Beginn von Strategie, Mitarbeiterführung, Marketing, Organisation? Vieles theoretisch, aber praktisch keine Erfahrungen. Ich hatte bis dahin nur steuerfachlich gearbeitet, aber nicht als unternehmerische Führungskraft.

Diese Dinge  habe ich mir alle nach und nach so erarbeitet, wie es zu mir und meinen Vorstellungen passte. Ich besuchte sehr viele Seminare und Fortbildungen im Themenbereich Strategie, Mitarbeiterführung, persönliche Führung usw..

Nach anfänglichen Fehlentscheidungen kamen auch die „richtigen“ Partner hinzu. Und natürlich auch die „richtigen“ Mitarbeiter und Mandanten. Ich glaube fest an das sog. Resonanzprinzip. Wir senden ständig etwas aus und ziehen damit letztlich die Menschen ein, die zu uns passen.

Und die glaube ich sowohl im privaten Bereich als auch im beruflichen Sektor gefunden zu haben.

Vielen lieben Dank für die großartige Unterstützung an meine liebe Frau Birgit und unsere Töchter Julia und Lisa und an Karlheinz Wendt, Carsten Christ, Ina Mücke, Ulrich Bendel, Senta Masurat, Dennis Möcks, Wolfgang Schmidt und all unsere Teamleiter, Mitarbeiter, Kollegen und  an meine weiteren Geschäftspartner, mit denen ich verbunden bin insbesondere an  Markus Stillger, Armin Stahl, Georg Weimer, Andreas Duchscherer und Markus Stubig.

Vielen Dank für Eure Unterstützung und die gute Zusammenarbeit.

 

Mein persönliches Leitbild

Ich will stets aufrecht sein und immer mein Bestes geben. Ich werde niemals  aufgeben…nie, nie, nie… und meine Liebsten, Freunde, Partner, Mitarbeiter stets dazu ermutigen zu kämpfen, wenn die Umstände es erfordern, zurück „ins Spiel“/ins Leben zu kommen.

Ich übernehme stets die volle Verantwortung für mein Handeln und richte mein Handeln danach aus, dass ich auch meinen Mitmenschen etwas Positives bzw. Nutzen bringen kann.

Ich werde mich stets auf das Machbare konzentrieren und tun, was zu tun ist, nachdem ich unter Abwägung aller sichtbaren Einflussfaktoren zielgerichtet und verantwortungsbewusst Entscheidungen getroffen habe. Ich werde mich als Mensch nicht verbiegen, um anderen Menschen zu gefallen.

Ich bin stets hilfsbereit, lasse mich aber nicht ausnutzen. Ich werde meine Ressourcen dort einsetzen, wo ich auf Menschen und Umstände treffe, die nach menschlichem Ermessen zulassen, Veränderungen im positiven Sinne herbeizuführen.

Ich werde versuchen, mich regelmäßig selbst zu reflektieren und berechtigte Kritik annehmen. Ich werde mich auf meine Stärken konzentrieren, nämlich:

a) (Beratungs-) Ideen entwickeln

b) Menschen, Mitarbeitern und Mandanten Vertrauen und Zuversicht geben

c) Synergien/Kooperationen schaffen

um den Menschen in meinem Einflussbereich eine wertvolle Unterstützung zu geben.

Ich werde meinen Geist, meine Seele, mein Herz, meinen Verstand, meine Gesundheit regelmäßig pflegen und erneuern, um meine Ressourcen nachhaltig zu erhalten.

Ich will versuchen, dass die Welt ein Stück weit gerechter wird.

Ich will mich selbst lieben, um andere Menschen lieben und respektieren zu können.

In diesem Sinne bin ich dankbar, dass ich den Schritt in die Selbständigkeit erfolgreich gewagt habe. Ich bin nach wie vor motiviert wie am ersten Tag und übe meinen Beruf als Steuerberater sehr sehr gerne aus. Er ist alles andere als „trocken“. Der Beruf gibt mir die Chance viele Dinge und Interessen zu kombinieren: Zahlenverständnis, juristisches Denken, komplexes Denken, Führungsverantwortung und unternehmerisches Handeln.

Ich hoffe, dass ich noch einige Jahre gesund bleibe, um voller Energie weiterhin wirken zu können.

Wer Verantwortung spürt,

hat auch die Pflicht

Verantwortung wahrzunehmen!

In diesem Sinne

Euer und Ihr

Volker Mühl


Volker Mühl



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