2018 oder 2968 oder 2561 oder…Egal. Wir brauchen eine Europäische Leitkultur!

Ich wünsche alles erdenklich Gute zum Start des Neuen Jahres 2018, vor allem wünsche ich Gesundheit und Zufriedenheit.

Das Jahr 2018 hat 365 Tage. Es beginnt an einem Montag, dem 1. Januar und endet wieder an einem Montag, dem 31. Dezember.

 

Vor 100 Jahren!

Am 09. November 1918 ruft Philipp Scheidemann in Berlin die erste deutsche parlamentarisch-demokratische Republik aus. Zwei Tage später (11.11.1918) endet der 1. Weltkrieg mit einem Waffenstillstand.

Das ist schon 100 Jahre her – eine lange Zeit könnte man meinen. Aber an sich ist das noch nicht lange her. Ich bin heute 52 Jahre alt. Wenn ich denke, wie schnell die Zeit verging, seitdem ich mich bewusst erinnern kann. Und gerade noch einmal so eine Zeitspanne führt zum Jahr 1918 zurück. Was ist in diesen 100 Jahren nicht alles passiert.

Nachfolgend nur einige Schlagworte:

Politisch: Bürgerkrieg in Russland (Lenin, Stalin usw), Weimarer Republik, Machtergreifung durch Hitler, 2. Weltkrieg, Holocaust, Hiroshima und Nagasaki, Kalter Krieg zwischen Ost und West, Wirtschaftswunder, Bau der Mauer, Mauertote, Gorbatschow, Glasnost und Perestroika, Fall der Mauer, Wiedervereinigung, „Nineeleven“, Golfkriege, IS-Terrorismus, 2x Bush, Clinton, Obama, Trump, Putin, Erdogan.

Technisch und Wirtschaftlich: Elektrizität, Automobil, Fortschreitung der Industrialisierung und Automatisierung, Fernseher und Radio, Telefon, Weiterentwicklung der Medizin, Computer, Internet, Smartphone, Künstliche Intelligenz (…)

Wenn man sich vorstellt, was ein heute Hundertjähriger Mensch in dieser Zeitspanne alles für Entwicklungen mitbekommen hat. Wahnsinn!

Es gibt andere Kalender als den unsrigen, den Gregorianischen Kalender. Nach dem Buddhistischen Kalender befinden wir uns 2018 im Jahr 2968, nach dem Thai-Solar-Kalender im Jahr 2561. Egal welcher Kalender: der Kalender dient uns u.a. dazu, unser Leben besser zu strukturieren.

Egal welchen Kalender die Menschen sich ausgedacht haben, ich nehme an bei allen ist eines gleich: morgens geht die Sonne auf und abends geht sie unter.

Es ist kein Zufall, dass die Erde zwischen 365 und 366 Tage benötigt, um die Sonne zu umkreisen, und etwa 24 Stunden, um sich einmal um die eigene Achse zu drehen – denn unser Kalendersystem orientiert sich an der Sonne. Zwar hat sich der Gregorianische Kalender im Laufe der Zeit weltweit durchgesetzt, dennoch sind auch die heutigen Kalender nicht überall auf der Erde gleich. Sie lassen sich in vier größere Gruppen zusammenfassen: Sonnen- und Mondkalender, Lunisolarkalender als Mischform und stellare Kalender.

 

Alles ist relativ und eine Frage des Bezugspunktes

Das Relativitätsprinzip in der Physik lautet: Bestimmte Eigenschaften und physikalische Größen sind nur relativ zu einer Beobachterperspektive definierbar oder messbar. Das Relativitätsprinzip ist ein Grundpfeiler der Physik. Es geht auf Galileo Galilei zurück. Es wurde von Albert Einstein zur Relativitätstheorie weiter entwickelt.

Ein weiterer Bezugspunkt unseres Kalenders ist zudem Christi Geburt, wir schreiben also das Jahr 2018 nach Christi Geburt.

 

Somit kommen wir bei der Frage an, ob wir in Europa, speziell in Deutschland eigentlich eine christliche Leitkultur haben oder brauchen

Diese Frage ist in meinen Augen für den weiteren Fortgang der Dinge und die Weiterentwicklung von Deutschland und Europa eine extrem wichtige Frage, denn ohne Leitkultur ist eine Identität der Menschen mit dem Land, in dem sie leben, und den anderen dort lebenden Menschen nicht so richtig möglich.

Christliche Werte wird als Begriff auf Wertvorstellungen angewendet, denen ein Bezug zum Christentum zugeschrieben werden soll. Dies kann im Rahmen der theologischen Ethik zu begründen versucht werden (damit ist auch die Forderung verbunden, dass der christliche Glaube die Grundlage für soziales Handeln und soziale Normen bilden sollte), aber es wird auch in der politischen Rhetorik als Schlagwort gebraucht, oftmals ohne tiefergehende theologische Analyse. Wie auch im Christentum selbst unterschiedliche theologische, ethische und auslegungsbedingte Schwerpunktsetzungen vorhanden sind, so gibt es auch unterschiedliche ethische, moralische und religiöse Aspekte eines im christlichen Glauben verankerten oder in diesen integrierbaren Werteverständnisses. Darüber hinaus unterliegen auch die Werte der Kirchen selbst dem Wertewandel. Ein allgemein akzeptiertes, in heutiger Terminologie genau konkretisiertes Verzeichnis christlicher Werte ist daher kaum realisierbar.

 

Der Begriff der „europäischen Leitkultur von Bassam Tibi

1996 veröffentlichte Bassam Tibi in der Beilage “Aus Politik und Zeitgeschichte“ der Wochenzeitung „Das Parlament“ der Bundeszentrale für politische Bildung seinen Beitrag „Multikultureller Werte-Relativismus und Werte-Verlust“. Für Tibi basiert die europäische Leitkultur auf westlich-liberalen Wertevorstellungen: „Die Werte für die erwünschte Leitkultur müssen der kulturellen Moderne entspringen, und sie heißen:

  • Demokratie,
  • Laizismus (Trennung zwischen Religion und Staat),
  • Aufklärung,
  • Menschenrechte und
  • Zivilgesellschaft.

Wie er in seinem 1998 veröffentlichten Buch „Europa ohne Identität –  Die Krise der multikulturellen Gesellschaft“ schrieb.

Die Notwendigkeit einer Leitkultur in Deutschland begründet Tibi damit, dass hier Identität durch Ethnizität definiert sei und dass Deutschland als Kulturnation Einwanderern keine Identität bieten könne. Wenn die Deutschen die Einwanderer in ihre Kulturnation integrieren wollten, müssten sie eine Leitkultur definieren:

Nach Max Weber ist Ethnizität ein Konzept einer Gruppe von Menschen, die sich durch den Glauben an gemeinsame Abstammung und Kultur konstituiert und so eine homogene Gruppenidentität bildet.

 

„Zu jeder Identität gehört eine Leitkultur!“

Für Tibi ist eine Leitkultur im Sinne eines Wertekonsenses als Klammer zwischen Deutschen und Migranten unerlässlich. In anderen Demokratien sei es selbstverständlich, dass ein Konsens über Werte und Normen als Klammer zwischen den im Gemeinwesen lebenden Menschen, unabhängig von ihrer Religion, Ethnie oder Ursprungskultur, nötig sei. Er will sein Konzept nicht als deutsche Leitkultur missverstanden sehen.

 

„Die Leitkultur der Integration für Deutschland sollte betont europäisch sein.“

2001 warnte Tibi, ein Europa als „Multi-Kulti-Sammelwohngebiet ohne eigene Identität“ drohe zu einem „Schauplatz für ethnische Konflikte und für religiös gefärbte, politisch-soziale Auseinandersetzungen zwischen Fundamentalismen“ zu werden, da einige Islamisten glaubten, Europa islamisieren zu können. Um einen tatsächlichen Kulturpluralismus zu ermöglichen, sei eine verbindliche europäische Leitkultur nötig, als die Tibi die kulturelle Moderne mit ihrer Verwurzelung in Aufklärung, Säkularisierung und Toleranz bezeichnet.

Tibis Begriff Europäische Leitkultur bezeichnet einen Wertekonsens basierend auf den Werten der „kulturellen Moderne“ (Jürgen Habermas) und beinhaltet:

  • Vorrang der Vernunft vor religiöser Offenbarung,
  • Demokratie, die auf der Trennung von Religion und Politik basiert,
  • Pluralismus und
  • Toleranz

Im Rahmen der Debatte über Integration von Migranten in Deutschland regte Bassam Tibi an, eine solche Europäische Leitkultur für Deutschland zu entwickeln. Er sprach sich für Kulturpluralismus mit Wertekonsens, gegen wertebeliebigen Multikulturalismus und gegen Parallelgesellschaften aus. Er stellte „Einwanderung“ (gesteuert, geordnet) gegen „Zuwanderung“ (wildwüchsig, einschließlich illegaler Migration und Menschenschmuggels). In der sich anschließenden Debatte tauchten auch Begriffe wie „Westliche Leitkultur“, „Christliche Leitkultur“, oder „Freiheitlich-Demokratische Leitkultur“ auf.

 

Für mich bringt es Tibi damit auf den Punkt

 

All das, was wir in den letzten Jahren erleben in Deutschland in Zusammenhang mit Migration hat Tibi schon vor mehr als 15 Jahren benannt und damit erkannt, was zur Erstarkung solcher Kräfte wie der AfD geführt hat.

Wir haben allerdings versäumt eine Europäische Leitkultur zu entwickeln.

Unabhängig davon verlieren die christlichen Kirchen nach wie vor Mitglieder.

Der christliche Glaube dient in unserer Gesellschaft vielen nicht mehr als sinnstiftende Identifikationsgrundlage. Umso mehr brauchen wir in Deutschland und gerade auch in Europa eine Leitkulturdiskussion als Identifikationsbasis. Wenn man sich anschaut wie tief da die Gräben in Richtung Polen, Ungarn usw. mittlerweile sind.

 

Letztlich brauchen wir die Vereinigten Staaten von Europa

Wir brauchen Europa in jeder Hinsicht: eine europäische Leitkultur, eine europäische Währung, einen europäischen Wirtschaftsraum, eine außenpolitisch einheitlich agierendes Europa.

Wer andere Konzepte, insbesondere rückwärtsgewandte Politik, die Nationalstaatlichkeit, Protektionismus usw. stärken betreibt, verliert nur Zeit. Denn der Weg in die Zukunft kann nur durch Kooperation und Zusammenarbeit gelingen.

Die geschäftsführende Bundeskanzlerin Angela Merkel sagt u.a. aus meiner Sicht zutreffend in ihrer Neujahrsansprache 2018 in diesem Zusammenhang:

„(…) Die Zukunft Deutschlands ist bei all dem untrennbar mit der Zukunft Europas verbunden. 27 Staaten in Europa müssen stärker denn je dazu bewogen werden, als eine Gemeinschaft zusammenzuhalten. Das wird die entscheidende Frage der nächsten Jahre sein.

Es wird darum gehen, ob wir Europäer in der globalen und digitalen Welt unsere Werte solidarisch und selbstbewusst nach innen wie nach außen vertreten, ob wir so auch für ein wirtschaftlich erfolgreiches und gerechtes Europa arbeiten und konsequent für den Schutz unserer Außengrenzen wie auch die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger eintreten. Deutschland und Frankreich wollen gemeinsam dafür arbeiten, dass das gelingt, und so dazu beitragen, Europa für die Zukunft fit zu machen.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, das Ringen um richtige Antworten gehört zu einer lebendigen Demokratie. Wir sind – im besten Sinne – eine vielstimmige Gesellschaft. Zugleich einen uns die Werte unseres Grundgesetzes: also die Achtung vor der unantastbaren Würde jedes einzelnen Menschen und seiner Freiheitsrechte. Dass wir uns wieder stärker bewusst werden, was uns im Innersten zusammenhält, dass wir wieder deutlicher das Gemeinsame in den Vordergrund stellen, dass wir uns bemühen, wieder mehr Achtung vor dem anderen zu haben, und zwar Achtung im umfassenden Sinne – aufmerksam sein, wirklich zuhören, Verständnis aufbringen -, das sind meine Wünsche für das neue Jahr.“

Im Übrigen habe ich meinem Beitrag Von Werten, Prinzipien und Charakter – zugleich ein Wunsch für 2017!  für 2018 nichts hinzufügen.

In diesem Sinne

Ihr

Volker Mühl

 

 

 


Volker Mühl



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