Blick ins Jahr 2030: Fünf große Zukunftsfragen sowie Trends in Marketing, Gesellschaft und Technologie

Neue Studien haben die folgenden Zukunftsfragen untersucht:

 

 1. Wann kommt der Durchbruch des E-Autos?

Voraussetzung: ein flächendeckendes Netz mit Aufladestationen mit vertretbar kurzer Ladezeit und leistungsfähigen Batterien bzw. Speichermedien.

 

Eine neue Studie besagt: frühestens 2025, spätestens 2030. Dann werden elektrisch angetriebene Pkw erstmals im Betrieb wirtschaftlicher sein als Modelle mit Verbrennungsmotor. Interessantes Detail: Die Studienautoren erwarten, dass es nicht Privatleute sein werden, die der Elektromobilität zum Durchbruch verhelfen, sondern Taxidienste. Sie bringen im kommenden Jahrzehnt riesige Flotten von selbstfahrenden E-Autos auf die Straßen.

 

 2. Macht Künstliche Intelligenz (KI) uns alle arbeitslos?

Das ist die große Angst und Befürchtung. Diese sind nicht angesagt, vorausgesetzt man ist agil, veränderungsbereit und veränderungsfähig.

Im Gegenteil: KI entwickelt sich zum Umsatzturbo in allen Branchen, weil Mensch und Maschine gemeinsam deutlich produktiver sind als jeder für sich allein. Allerdings werden viele Mitarbeiter umlernen müssen, warnt eine neue Studie der Unternehmensberatung Accenture, denn in fast jedem Beruf ändern sich die Tätigkeitsprofile.

 

 3. Wie bekomme ich neue Mitarbeiter, wenn die Arbeitsmärkte leer gefegt sind?

Über das Smartphone der Kandidaten, sagt eine neue Studie der Uni Bamberg. Das Handy entwickelt sich zum dominierenden Kontaktkanal im Rekrutierung. Allerdings läuft die künftig unter umgekehrten Vorzeichen ab: Unternehmen betätigen sich als Headhunter und kontaktieren vielversprechende Talente direkt (Fachwort: Active Sourcing). Ob die dann auch zusagen, hängt freilich davon ab, ob das Unternehmen seine Hausaufgaben in Sachen Arbeitgebervermarktung gemacht hat.

Und Blenden fliegt auf. Versprechungen sind das eine, sie zu halten das andere. Wichtig ist vor allen Dingen, dass langfristige Perspektiven geboten werden können.

 

 4. Wie binden wir in Zukunft die Kunden an uns?

Zugegeben, diese Aufgabe wird in den kommenden Jahren nicht einfacher. Denn bald stellt die Generation Z (zwischen 1995 und 2010 geboren) die größte Käufergruppe. Und deren Vorlieben sind heikel: Sie zeigen null Loyalität zu einer Marke, erwarten aber dennoch ein komplett personalisiertes Produkt. Was damit auf die Anbieterseite zukommt, hat eine interessante Studie der Beratungsgesellschaft EY ermittelt.

 

 5. Gehen wir in zehn Jahren noch im Laden einkaufen?

Auf jeden Fall! Allerdings kaufen wir dort nicht Waschmittel ein; das ordert die Waschmaschine vermutlich selbst. Generell werden wir in einigen Jahren sämtliche Routineeinkäufe über digitale Kanäle abwickeln. Und trotzdem weiter zum Shoppen in die City fahren – doch nicht zum Einkaufen, sondern um Produktwelten zu erleben.

 

(Quelle: Zukunftsletter, Schwerpunkt Studien)

 

 

Marketing, Gesellschaft, Technologie

 

Diese Trends sollten man auf dem Schirm haben:

 

 1. Die Beta-Kultur ist auf dem Vormarsch.

Produkte bis zur Perfektion zu entwickeln und dann auf den Markt zu bringen, gilt als überholt. Stattdessen wird eine Innovation möglichst schnell am Kunden getestet; Verbesserungen reicht man später als Update nach. Beispiel:  Die Hotelkette Marriott betreibt in der US-Stadt Charlotte eine Herberge namens „M Beta“. Dort ist eine Innovationsabteilung untergebracht, die ihre Ideen direkt an realen Gästen testet. Gefällt denen eine Neuerung, können sie einen der „Beta-Knöpfe“ drücken, die im ganzen Hotel angebracht sind.

 

 2. B-Städte und der ländliche Raum erleben einen Aufschwung.

Start-ups und Inkubatoren zieht es nicht mehr nur nach Berlin, New York oder London. Städte aus der zweiten Reihe entwickeln sich zunehmend zu Hubs der Kreativwirtschaft – Eindhoven (NL) oder Leeds (UK) etwa. Diese Orte bieten hohe Lebensqualität bei geringeren Lebenshaltungskosten als in den benachbarten Metropolen.

 

Aber auch der ländliche Raum ist nicht zu vernachlässigen. Ein Beispiel ist Mengerskirchen im Westerwald.

Weit ab vom Schuss, mitten im Westerwald, liegt die Gemeinde Mengerskirchen. In größere Städte wie Gießen, Siegen oder gar Frankfurt braucht man von hier mit dem Auto eine Dreiviertelstunde und mehr.

 

Leerstand und Abwanderung waren die Folge, wie vielerorts auf dem Land. Doch das wollten die Mengerskirchener nicht hinnehmen, sie haben reagiert: Ehrenamtliche und Kommunalpolitiker gründeten ein Zukunftsforum. Das ambitionierte Ziel: hundert Familien anlocken und gleichzeitig Perspektiven entwickeln für Arbeit, Bildung, Gesundheit, Inklusion. Ein Gründerzentrum bietet „Co-Working-Spaces“, also Büroflächen, die für eine begrenzte Zeit zu mieten sind: ungewöhnlich fürs Land. Start-ups werden im Gründungsprozess unterstützt.

 

 3. Im Marketing wird Unisex der neue Standard.

Produkte ausschließlich für männliche oder weibliche Zielgruppen zu gestalten entwickelt sich zum Auslaufmodell. Ein Grund: Immer weniger Personen fühlen sich ausschließlich einem Geschlecht zugehörig. Facebook kennt 71 Geschlechtskategorien und in amtlichen Dokumenten in Deutschland muss ab 2019 eine dritte Option neben Mann und Frau vorhanden sein.

 

 4. Der Abschied vom Fitnesswahn beginnt.

Die Zeiten der extremen körperlichen Selbstoptimierung sind vorbei. Nicht der muskulöse und gesunde Körper ist das Ziel, sondern ein zufriedenes Leben. Daran werden Fitness-Angebote und -Gadgets angepasst. Ein Beispiel: Die Waage Shapa verfügt über keine Gewichtsanzeige mehr. Sie verbindet sich mit dem Smartphone des Nutzers und zeigt nur positive Nachrichten an, zum Beispiel wenn das Gewicht über einen längeren Zeitraum gehalten wurde (shapa.me).

 

 5. Die Maschinen erlernen das Sehen.

Sprachassistenten wie Alexa waren der Trend des letzten Jahres, die nahe Zukunft dagegen steht im Zeichen der sehenden Maschinen. Dank eingebautem 3D-Scanner entwickeln immer mehr Geräte ein Gefühl für ihre Umgebung. Das aktuelle iPhone etwa erkennt seinen Besitzer an dessen Gesichtsform.

 

 6. Die letzte Meile endet im Wohnzimmer.

Amazon und Wal­mart testen bereits, Waren in die Häuser und Wohnungen der Kunden zu liefern (sie müssen spezielle Türschlösser anschaffen). Das ist erst Schritt eins. Amazon wird in Zukunft viele weitere Services in Abwesenheit des Kunden anbieten, etwa Putzen oder Ausführen des Hundes. So baut das Unternehmen seine Stellung als Universaldienstleister aus.

Das sind erkennbare Trends. Ob sie selbst im Einzelfall das möchten und wollen, ist eine andere Frage. Letztlich können wir uns davor nicht verschließen. Es ist aber immer die Frage, was wir selbst aus den Chancen, die sich spezifisch für uns ergeben, machen. Seien Sie offen und entscheidungsfreudig.

 

Ich wünsche Ihnen alles Gute.

Ihr

Volker Mühl


Volker Mühl



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