Chance statt Change – Gastbeitrag von Claudia Schurig

Für Sie gelesen:

Ardeschyr Hagmaier

CHANGE FUCK! Wenn sich alles verändert und nichts verbessert

Ardeschyr Hagmaier, Bestsellerautor und mehrfach ausgezeichneter Persönlichkeitscoach, steht Change-Projekten und -Prozessen sehr kritisch gegenüber. Er sagt: Diese Projekte stoßen immer wieder auf Widerstand, viele davon scheitern oder bringen nicht den erhofften Erfolg.

 

Seine Antwort auf den „Dauerbrenner“ und „Heilsbringer“ CHANGE ist: CHANCE. Verändern ja, aber nach diesen Regeln:

1. Es gibt keine Regeln (meistens zumindest nicht).

2. Nichts verändern, wenn es gut läuft.

3. Neues schaffen, ohne das Alte zu zerstören.

4. Gewohnheiten weiterentwickeln – statt ständig neue Gewohnheiten zu erlernen.

 

Hagmaier setzt den Fokus auf das, was gut läuft und empfiehlt, an den Stärken zu arbeiten, diese zu verbessern, statt immer alles um 180 Grad drehen und Schwächen ausmerzen zu wollen.

 

Letztendlich geht es auch bei ihm auch um Veränderungen, nur – wie mir scheint – auf eine weich gespülte Weise. Nicht die Veränderung ist entscheidend, sondern die Verbesserung.

 

Ich finde, es ist ein guter Ansatz, der Mut macht, Dinge anzupacken. Man muss nicht immer alles radikal in Frage stellen, alles umkrempeln wollen. Stetig an seinen Potenzialen zu arbeiten, den eingeschlagenen Weg konsequent (wirklich konsequent, beharrlich und mit Ausdauer!) weiter zu verfolgen, kann auch genügen. „Wir haben uns verbessert“ statt „Wir wurden verändert“. Es ist erfolgversprechender und effektiver, „in evolutionären und eher ruhig-sanften Anpassungsschritten zu denken und zu agieren als in revolutionären Umwälzungskaskaden“.

 

Das alles schildert Hagmaier in vielen Geschichten, die häufig von seinen Kunden und noch häufiger von ihm selbst handeln. Diese Selbstdarstellung sei ihm gegönnt. Dass der Text auch Banalitäten, Triviales, hin und wieder Phrasen enthält, nehme ich hin bzw. überlese es. Unverständlich ist mir, warum das „F“-Wort, das keinesfalls zu meinem aktiven Wortschatz gehört, im Titel und regelmäßig im Text erscheinen muss. Die reißerische Wortwahl stört mich.

 

Was sind nun diese Change Fucks?

Es sind:

  • Veränderungen ohne Verbesserungen
  • Veränderungen ohne Nachhaltigkeit
  • Veränderungen ohne Motivation aller Beteiligten
  • fremdbestimmte Veränderungen
  • Veränderungen, die nicht freiwillig erfolgen, sondern mit Druck verbunden sind

 

Im Folgenden habe ich die Kernaussagen und die wichtigsten Anregungen für Sie zusammengestellt.

 

Kritische Anmerkungen und Fragen zum Thema CHANGE

  • Müssen Gewohnheiten jeden Tag über den Haufen geworfen werden?
  • Ist ständige Veränderung die einzig mögliche Antwort auf eine Welt, in der sich jeden Tag die Rahmenbedingungen verschieben?
  • Warum traut sich niemand, die Notwendigkeit zur Veränderung anzuzweifeln?
  • Seit wann ist Wandel Selbstzweck?

 

Das Prinzip Hagmaier: Willkommen, Verbesserung!

  • Von der Überzeugung verabschieden, in der Veränderung liege der Stein der Weisen.
  • Gewohnheiten, die sich bewährt haben, vorsichtig anpassen.
  • Auf die bewährten Gewohnheiten fokussieren und diese optimieren.
  • Neues erschaffen, ohne das Alte zu bekämpfen.
  • Gewohnheiten und Rituale genießen bei der Durchführung von Veränderungsprozessen einen denkbar schlechten Ruf. Sie haben aber den Vorteil, dass sie den Mitarbeitern vertraut sind. Sie erleichtern das tägliche Leben, garantieren Sicherheit, Stabilität und Orientierung. Eine abrupte Loslösung unbedingt vermeiden. Aber: Perspektivenwechsel trainieren und üben.
  • Zuhör- und Fragekompetenzen verbessern und lernen, (wieder öfter) wie die Kinder zu denken und fragen: einfach, zielgerichtet, ergebnisorientiert.
  • Vor Veränderungen zunächst einmal von Überflüssigem befreien – und dann weiterdenken. Weg erst einmal mit dem „Krempel“, auch mit dem mentalen Ballast.
  • Veränderungen sprechen immer den Verstand an. Die Botschaft „Werde besser“ weckt dagegen die positiven Gefühle aller Beteiligten.
  • Gar nicht erst versuchen zu verändern. Stattdessen schrittweise zu Verbesserungen im eigenen Verhalten gelangen.
  • Der Mensch scheint nicht dafür geboren zu sein um sich zu verändern, zumindest nicht freiwillig. Der Mensch hat sich aber immer angepasst (wobei Anpassung auch eine Form der Veränderung ist).
  • Dinge muss man neu denken, statt sie nur zu verändern.
  • Nie grundsätzlich ja zur Veränderung und nie grundsätzlich nein zum Bewährten sagen.
  • Trägt einer meiner Schwächen dazu bei, anderen Menschen zu schaden, ist eine Veränderung unausweichlich. In allen anderen Fällen ist Stärkenmanagement und die Verbesserung dessen, was ich ohnehin gut kann, angesagt.

 

Ich war nie ein „Change-Freak“, das Buch ist mir Bestätigung, dass es genügt, ein „Verbesserungsenthusiast“ zu sein. Allerdings geht mir auch der ständige Selbstoptimierungswahn ab und zu auf die Nerven. Die Bücher „Geschichten vom schönen Scheitern“ und  „Kluge Frauen scheitern anders“ sind übrigens schon geschrieben.

 

Claudia Schurig

Prokuristin der MCP Mühl Christ Partner Management Consulting GmbH
Diplom-Betriebswirtin
Restrukturierungs- & Sanierungsberaterin (IfUS-Institut, Heidelberg)


Volker Mühl



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