Händeringend gesucht: Azubis im Handwerk – Gastbeitrag von Robert Schurig

Robert Schurig hat ein vierwöchiges Praktikum in der MCP Unternehmensgruppe absolviert. Am Ende seines Praktikums wurde er gefragt, wie es ihm gefallen hat:

 

 1. Wie bist Du auf die Idee gekommen, Dich bei uns für ein Praktikum zu bewerben?

Robert: Im Sommer dieses Jahres habe ich mein Abitur gemacht, im Herbst werde ich anfangen Wirtschaftswissenschaften zu studieren. Dazwischen liegt eine Lücke von mehreren Monaten, die ich dafür nutzen wollte, die Arbeitswelt näher kennenzulernen. Ich kannte bis dato ja nur die Schulbank. Außerdem wollte ich mich vergewissern, dass ich den richtigen Studiengang gewählt habe und hoffte darauf, durch das Praktikum auch etwas für mein Studium zu lernen.

 

 2. Wie ist Dein bis jetzt gewonnener Eindruck von unserer Kanzlei, der Rechtsanwaltsgesellschaft und der Unternehmensberatung (Kollegen, Aufgaben, Beantwortung von Fragen usw.)?

Robert: Mein bis jetzt gewonnener Eindruck ist sehr positiv, alle Kollegen waren sehr freundlich zu mir und hatten Verständnis und Zeit für meine Fragen. An meine Aufgaben wurde ich gut herangeführt und konnte Unklarheiten durch die Hilfsbereitschaft der Kollegen schnell klären. Meine Tätigkeiten waren unterschiedlich schwer und zeitintensiv, aber ich hatte immer das Gefühl, dass ich etwas mache, das meine Kollegen bei der Arbeit unterstützt und voranbringt. Das Arbeitsklima hat mir sehr gut gefallen. Ich konnte mit jedem Mitarbeiter gut zusammenarbeiten. In der Steuerkanzlei waren meine Aufgaben sehr vielseitig. Ich habe recherchiert, Ausgaben von Mandanten in Tabellen zusammengetragen, E-Bilanzen erstellt, Belege eingescannt, Steuererklärungen ausgefüllt und Zinsen berechnet.

Dadurch habe ich einen guten Eindruck von der Vielseitigkeit dieser Tätigkeit erhalten und langweilig war mir nie.

In der Unternehmensberatung war ich nur sehr kurz tätig, aber auch dort wurde ich mit angemessenen Aufgaben versorgt, ich lernte neue Konzepte, die mir im Studium wieder begegnen werden und war sogar bei der Besichtigung eines Mandantenbetriebs dabei. Alles in allem war die Arbeit in beiden Bereichen sehr interessant.

 

 3. Was hat Dir am besten gefallen (welche Abteilung, Tätigkeiten)?

Robert: Mir hat der Besuch bei einem Mandanten während meiner Arbeit bei der Unternehmensberatung am besten gefallen. Er bot die Möglichkeit, die Tätigkeiten und Geschichte hinter den Zahlen zu sehen, mit der man bei der Arbeit hantiert, sodass ersichtlich wurde, was alles dahinter steckt. Der Mandant nahm sich viel Zeit für ein langes Gespräch mit uns und zeigte uns danach noch seine Maschinen. Die Leistung dieser war extrem faszinierend. Insgesamt erhielt ich einen guten Eindruck davon, worin die Arbeit in der Unternehmensberatung besteht. Durch das lange Gespräch mit dem Mandanten erfuhr ich von verschiedensten Faktoren, die für seinen Erfolg eine Rolle spielen, sowie von Rückschlägen und guten Zeiten, die er erlebt hatte. Hier konnte ich sehen, was ein Unternehmensberater alles berücksichtigen muss. Für mein Praktikum war dieser Besuch also sehr sinnvoll, weil ich mir eben genau erhofft hatte, einen breiten Eindruck des Berufsalltags zu erhalten.

 

 4. Warum würdest Du unsere Kanzlei / Unternehmensberatung an Mitschüler und Bekannte weiterempfehlen?

Robert: Ich würde die Kanzlei / Unternehmensberatung weiterempfehlen, weil sich hier sehr gut um Praktikanten gekümmert wird. Ich habe angemessene Aufgaben erhalten, meine Fragen wurden immer ausführlich beantwortet und mir wurde immer geholfen, wenn ich Hilfe benötigte. Jeder Mitarbeiter ist freundlich und das Arbeitsklima ist, wie schon erwähnt, sehr gut. Auch die Partner erkundigten sich des Öfteren nach meiner Zufriedenheit, wobei ich auch Dinge kritisieren konnte und Gehör fand, obwohl das fast nie der Fall war. Generell hatte ich das Gefühl, dass versucht wurde, mir tatsächlich einen Eindruck vom Beruf zu vermitteln, ich wurde nicht für unangenehme Arbeiten ausgenutzt, wie man das teilweise vom klischeehaften Praktikanten hört. Ich erledigte Aufgaben, die meine Kollegen bei ihrer tatsächlichen Arbeit unterstützen. Ich würde MCP weiterempfehlen, da das Praktikum meine Erwartungen und Hoffnungen genau erfüllt hat.

 

Ausbildung im Handwerk –warum nicht!?

Viele Jugendliche haben nach dem Abitur nur das Studium im Kopf, an eine Ausbildung im Handwerk denken sie nicht. Ein Fehler? Jedes Jahr bleiben tausende Lehrstellen im Handwerk offen, Jugendliche streben nach dem Abitur zunächst nur nach dem Studium, obwohl die handwerklichen Aufstiegschancen gut sind.

 

„Akademisierungswahn“

Bildungsforscher nennen dieses Phänomen „Akademisierungswahn“. Jugendliche hätten nicht mehr die Absicht, praktische Arbeit mit den Händen zu erledigen. Dass dies vielleicht doch der falsche Ansatz ist, merken die jungen Studenten oft selbst. Über 30 Prozent der Bachelor-Studenten brechen ihr Studium ab. Ein Großteil der abbrechenden Studenten gibt den Wunsch nach einer praktischeren Tätigkeit als Grund an, ein Wunsch, der im Handwerk sofort erfüllt werden könnte.

 

Zu wenige Informationen

Es ist auch die Schuld der Schulen, dass Abiturienten nicht über eine Lehre nachdenken. Eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln fand heraus, dass doppelt so viele Schüler sich besser über Studiengänge als über Ausbildungsangebote informiert fühlen. Außerdem haben viele Abiturienten verzerrte Vorstellungen über ihre Zukunft nach der Lehre: Handwerker seien öfter arbeitslos und stünden finanziell schlechter da als Akademiker.

Die Arbeitslosenquote bei Meistern ist vergleichbar mit der von Hochschulabsolventen. Ein Meister verdient im Durchschnitt im Leben sogar etwa 30.000 Euro mehr als eine Architektin oder Bauingenieurin, so das Ifo-Institut.

 

Was man tun könnte:

  • Lehrpläne ändern: So könnten zwei Stunden pro Woche Vertreter unterschiedlicher Branchen Vorträge über ihren Berufsalltag und über Möglichkeiten und Aufstiegschancen halten.
  • Werbung reformieren: Das Image des Handwerks muss durch kluges Marketing verbessert werden. Werbeslogans allein reichen nicht aus, dem Einzelnen muss aufgezeigt werden, was ihn in der Lehre und der Zukunft danach erwartet.
  • Standortvorteil ländliche Region: Viele Betriebe liegen im Gegensatz zu Universitäten in kleineren Städten und ländlichen Gebieten. Es gibt junge Menschen, die das einer Großstadt vorziehen.
  • Azubi-Gehalt erhöhen: Azubis in anderen Branchen verdienen mehr als im Handwerk, wo sich das Gehalt oft auch nach Jahren in der Lehre nicht stark verbessert. Die Gehaltserhöhungen sollte man dabei nicht als Belastung, sondern als notwendige Investition in die Zukunft sehen.
  • Digitalkompetenz steigern: Es ist wichtig, mindestens über Standardkompetenzen im digitalen Bereich zu verfügen, und das berufsunabhängig. Fortbildungen für Handwerker wären ein guter Schritt, um ihnen lebenslanges Lernen zu ermöglichen, damit sie nicht auf der Strecke bleiben.

 

Was bedeutet das alles also konkret? Pro-aktiv sein!

Letzten Endes müssen sich die Jugendlichen aktiv dazu entscheiden, eine handwerkliche Lehre zu beginnen. Daher ist es an den Unternehmen, sie dazu zu bewegen. Dazu muss das Unternehmen aktiv sein, reformieren und neu gestalten. Wenn Sie neue Azubis im Handwerk benötigen, setzen Sie sich mit Schulen in Verbindung, halten Sie Vorträge, in denen Sie die Möglichkeiten und Aufstiegschancen sowie den Arbeitsalltag Ihres Berufs vorstellen.
Die hohe Abbruchrate an Universitäten zeigt, dass viele junge Menschen ein Studium beginnen, ohne wirklich zu wissen, ob dies der richtige Weg für sie ist. Dass viele angeben, dass sie sich nach mehr Praxis sehnen, spricht für das Handwerk.
Versuchen Sie, sich das zu nutze zu machen. Vermitteln Sie in ihren Vorträgen ein klares Bild von ihrem Beruf, zeigen Sie die positive Seite der Praxisorientierung. So haben die Jugendlichen ein klareres Bild von Ihrem Beruf und die Möglichkeiten einer Lehre, als sie es vom Studium haben, was eventuell dazu führt, dass sie die Lehre letztlich vorziehen.

 

Pro-aktiv sein!

Machen Sie über verschiedene Wege auf sich aufmerksam, nutzen Sie neue Möglichkeiten der Werbung wie soziale Netzwerke, auf denen viele Jugendliche Zeit verbringen. Auf diese Art können Sie auch mit den oben angesprochenen Klischees aufräumen, Sie können dafür sorgen, dass Ihr Image sich verbessert und gerade für junge, ambitionierte Menschen attraktiv wirkt.
Aber auch innerbetrieblich können einige Veränderungen positiv sein. Die bereits angesprochene Digitalisierung ist die Zukunft der Arbeitswelt und sollte daher im Betrieb vorangetrieben werden. Durch digitale Technik öffnen sich Ihnen neue Möglichkeiten, mit denen Sie ihre Arbeit und damit auch ihr Angebot erweitern können. Ist der Betrieb zukunftsorientiert und bietet Fortbildungen an, durch die die Mitarbeiter neue, notwendige Aspekte lernen und somit zur Erhaltung des Handwerks beitragen können, wirkt der Beruf auf junge Leute deutlich sicherer, spannender und attraktiver.

Handwerkliche Betriebe haben einige Aufgaben vor sich, wenn sie für junge Menschen interessanter werden wollen. Die Maßnahmen sind aber nicht unmöglich, und mit entsprechendem Aufwand wird auch das Handwerk eine sichere Zukunft haben.

 

 


Volker Mühl



Kommentare

Heinz Herres says

Lieber Volker,
gerne möchte ich meine Meinung zu diesem zukunftsbeeinflussendem Thema mitteilen. Bei uns in Rheinland-Pfalz hat die Politik erheblich zu dieser Problematik beigetragen, indem sie die Hauptschule abgeschafft hat. Die Idee, eine Realschule Plus (Hauptschüler und Realschüler) zu bilden, hat dazu geführt, dass viele Eltern ihre Kinder dazu angetrieben haben, das Gymnasium zu besuchen. Nach dem Motto "Ich stecke doch nicht mein Kind mit Hauptschülern in eine Klasse" hat einen Run auf Gymnasien ausgelöst und just auch das Niveau deutlich nach unten getrieben. Und wenn man dann schon mal das Abi macht, dass geht man auch studieren, aber vorher muss man sich auch noch ein Jahr ausruhen und auf Kosten der Eltern sich im Ausland rumtreiben. Da stecken sicherlich auch positive Dinge im Ausfluss dahinter.
Es wäre viel besser gewesen, aus der Hauptschule eine Wirtschaftsfachschule zu machen und die Realschule so zu lassen, wie sie war. Auf der wirtschaftsfachschule hätte man dann zahlreiche Praktikums anbieten können, die dem "Hauptschüler" die Möglichkeit gegeben hätte, Handwerksberufe kennen zu lernen. Rein schulisch hätte man auf so sich auf die notwendigen Fächer konzentrieren können, deutsch (klar, sollte man irgendwie können), englisch (auch nicht schlecht) und besonders gute Mathematikkenntnisse hätte man vermitteln können. Wenig Schuldruck durch furchtbar tiefgreifende Fächer (gut für Hauptschüler) dafür extrem viel Praktikum. Ich bin mir sicher, dass solch ein Modell viele Probleme im Handwerk beseitigen könnte, aber machen wir uns nichts vor, es fehlen einfach zu viele Kinder, weil zu viele Menschen in unserem Lande sich nicht mit Kindern belasten wollen. Kann man ja auch gut verstehen, wenn man sieht, wie die Politik Familien nicht fördert und wenig Anreize schafft, Kinder in die Welt zu setzen. Hier versagt die Politik, Schul- und Familienpolitik, auf der ganzen Bahn. Aber was will man von Politikernauch erwarten? Denen geht´s doch immer gut, egal wie viel Menschen es schlecht geht.

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