Teil I: Jürgen Petersens Brainrunning – Der Weg zur körperlichen und geistigen Höchstleistung

Am 23.10.2018 wurden die Mandanten der Mühl Christ Partnerschaft Steuerberatungsgesellschaft zu einem Vortrag zum Thema Brainrunning eingeladen. Dieser Vortrag wurde auch am Vorabend im Zukunftsforum Mengerskirchen in ähnlicher Form gehalten und von der MCP Steuerberatungsgesellschaft unterstützt und gesponsert.

 

BRAINRUNNING mit Coach Jürgen Petersen zeigt Methoden zum Gedächtnistraining.

Gedächtnistraining ist eine Methode, das normale Gehirn zu entlasten und die unglaubliche Speicherkapazität der rechten Gehirnhälfte zu nutzen.

Jürgen Petersen betreibt das Gedächtnistraining bereits seit 15 Jahren u.a. auch sportlich.

Kurz gesagt ist Brainrunning eine Technik, wie man sich beim Laufen im Wald z.B. Namen, Zahlen, Daten, Vokabeln, usw. merkt, um die Zeit, die man für die körperliche Fitness investiert, gleichzeitig für den Kopf zu nutzen.

Jürgen Petersen nimmt regelmäßig an den Deutschen Meisterschaften und an den Gedächtnisweltmeisterschaften (Zehnkampf) teil. Seit 2008 ist er Gedächtnisgroßmeister (Nr. 37 weltweit).

Herr Petersen hat zum Thema „brainrunning – neue Wege“ auch ein Buch veröffentlicht, das Sie unter der ISBN: 978-3-8370-4871-1 finden können. Inhalte dieses Blogbeitrags wurden aus Vortrag und Buch entnommen.

 

 

Ich möchte Ihnen von diesem Vortrag berichten:

Herr Petersen beginnt seinen Vortrag indem er uns erst die rechte und dann die linke Hand zu einer Faust ballen und in die Höhe heben lässt. Nimmt man beide Fäuste zusammen, ist das in etwa die Größe unseres Gehirns und zeigt unsere beiden Gehirnhälften. Erwachsene Menschen nutzen überwiegend die linke Gehirnhälfte. Kinder nutzen überwiegend die rechte. Das ist auch die Erklärung dafür, warum Erwachsene Menschen beim Memory keine Chance gegen ein Kind haben. Die rechte Gehirnhälfte ist zwar nicht so logisch und ordentlich wie die linke, aber eins kann die rechte Gehirnhälfte super: sich etwas merken.

Das Gute ist: Diese rechte Gehirnhälfte, die bei uns Erwachsenen wenig benutzt wird, kann jederzeit wieder aktiviert werden. Im Gegensatz zu den Muskeln bildet sie sich bei Nichtbeanspruchung nicht zurück. Sie ist noch da und kann jederzeit benutzt werden.

Aber wie bringen wir nun die rechte Gehirnhälfte dazu, gewisse Informationen zu speichern? Das ist gar nicht so schwer, wie Sie jetzt vielleicht denken. Das Geheimnis ist die gute alte Eselsbrücke. Diese haben Sie vielleicht schon in der Schule benutzt, wenn Sie sich mal wieder zehn verschiedene Geschichtszahlen merken mussten. Und hat die Eselsbrücke Ihnen beim Merken der Zahlen geholfen? Wahrscheinlich schon. Und genau diese Eselsbrücken werden uns jetzt dabei helfen, die rechte Gehirnhälfte wieder zu benutzen.

Eselsbrücken bauen ist mit Training verbunden. Sie müssen täglich Tausende von Informationen verarbeiten. Den weitaus größten Teil verarbeitet das Unterbewusstsein. Es entscheidet, welche Informationen in das Bewusstsein dringen und vom Großhirn in irgendeiner Form aufbereitet werden. Ist eine Information ein Grenzfall, das heißt, das Unterbewusstsein kann sich nicht entscheiden, ob die wahrgenommene Information in das Bewusstsein gelangt oder nicht, gibt es ein Déjà-vu. Das ist eine Situation, die halb interessant ist. Das führt dazu, dass Informationen doppelt gespeichert werden. Im Unterbewusstsein und im Bewusstsein.

Unser Gehirn filtert die tausend Informationen, die uns zur Verfügung stehen. Diese Wahrnehmungsfilter sind der Schlüssel zum Gedächtnistraining. Einige Informationen bleiben automatisch im Filter hängen. Wichtige Informationen, die unser Gehirn nicht freiwillig filtert, müssen wir so umbauen oder auch markieren, dass sie im Filter hängen bleiben.

 

Herr Petersen hat mit uns folgende Übung gemacht:

Wir stellen uns vor, wir nehmen einen Stuhl und setzen uns eine Stunde an eine viel befahrende Autobahn und beobachten die Autos. Es fahren 300 Autos vorbei. Alle haben wir bewusst gesehen. Darunter waren: ein BMW, Audi, Ihr bester Freund in einem Golf, Porsche 911, Passat, Daimler, Audi A4, Opel Vectra, Audi TT, ein Elefant auf Rollschuhen, ein VW Bus, usw. Jetzt gehen wir wieder nach Hause und schreiben auf einen Zettel die Fahrzeuge auf, an die wir uns erinnern. An was konnten sich alle Zuhörer erinnern? An den Freund im Golf. Und warum ist das passiert: Wir haben uns das Bekannte gemerkt. Den Freund, denn ihn und sein Auto kennen wir, deshalb merken wir es uns. Was merken wir uns noch? Den Elefant auf Rollschuhen. Und warum? Weil es merkwürdig ist. Unser Gehirn entscheidet: Das ist würdig, es mir zu merken.

 

Das Gehirn merkt sich also:

  • das Bekannte
  • das Merkwürdige
  • das Lebenswichtige
  • das bewusste Interesse

 

Die Gedächtnistraining-Techniken

Das Römische Raum-Zahlen-System:

Wir nehmen ein Zimmer in unserer Wohnung.  Einen Raum, in dem wir uns gut auskennen und wohlfühlen. Wir nehmen uns die zehn markantesten Plätze in diesem Zimmer. Zum Beispiel Fernseher, Tisch, Sessel,…

Es bietet sich an, bei der Tür zu beginnen und dann links- oder rechtsherum durchzunummerieren. Diese Liste müssen Sie auswendig lernen. Damit haben wir zehn Routenpunkte festgelegt. Diese sind für immer gültig. Wer seinen Alltag besser organisieren will, für den reichen zwei Räume mit jeweils zehn Routenpunkten.

 

Wie wird das System angewandt?

Beginnen wir mit dem Einfachsten: eine Einkaufsliste. Angenommen, Sie wollen Milch kaufen. Nun versuchen Sie die Milch mit Ihrem Platz 1 (der Stehlampe) in Verbindung zu bringen. Das macht die rechte Gehirnhälfte, die für Fantasie und Kreativität zuständig ist. Übergießen Sie den Platz 1 zum Beispiel mit Milch. Jetzt versuchen Sie, sich das noch merkwürdiger vorzustellen. Dazu nehmen Sie andere Sinne zur Hilfe. Stellen Sie sich vor, wie der milchverschmierte Platz sich jetzt anfühlt.

 

Warum man sich keinen Einkaufszettel schreiben sollte

Weil selbst denken fit macht! Wenn man immer nur die bequemen Dinge im Leben tut, geht es zwingend abwärts. Diese Aussage trifft körperlich, geistig und meistens auch beruflich zu.

  • Bei Männern nimmt die Muskelmasse statistisch ab dem 30. Lebensjahr pro Jahr um 1% ab. Es sei denn, man tut etwas dagegen.
  • Die geistige Leistungsfähigkeit des durchschnittlichen Deutschen nimmt ab dem 25. Lebensjahr ab.
  • Wer ein Unternehmen führt, muss es ständig weiterentwickeln, um das Bestehen zu sichern. Für Angestellte ist es von Vorteil, sich weiterzubilden, um im Fall von Kosteneinsparungen (Entlassungen) für den Arbeitgeber wertvoll zu sein.

 

Mit 17 hat ein junger Erwachsener sein geistiges Leistungshoch erreicht. Dann bleibt es bis 25 auf einem hohen Level. Warum? Natürlich wegen Schule und Ausbildung, die in Deutschland im Schnitt bis zum 25. Lebensjahr dauert. Kinder und Jugendliche sind fünf Tage die Woche vier Stunden pro Tag im „Fitnessstudio fürs Gehirn“.

 

Was kann man tun, um auf der roten Kurve zu bleiben?

  • Die Einkaufsliste mit der Raum-Methode auswendig lernen
  • Kreuzworträtsel oder Sudoku lösen
  • Viel Lesen, und zwar auch Dinge, bei denen man noch kein Fachmann ist
  • Den Nachtisch mal mit der linken Hand essen (dann wird die andere Gehirnhälfte durchblutet)
  • Wichtige Telefonnummern im Kopf haben
  • Eine Sprache lernen
  • Die Staaten der Erde lernen

 

Das Langzeitgedächtnis

Das Langzeitgedächtnis können Sie sich wie einen Eisberg vorstellen. Nur etwa ein Siebtel des Eisbergs ist sichtbar, der weitaus größte Teil befindet sich unter Wasser.

 

Es gibt eine Technik, mit der Sie das Versinken von Informationen verhindern können: mit Hilfe von fünf Wiederholungen.

1. nach einer Stunde

2. nach einem Tag

3. nach einer Woche

4. nach einem Monat

5. nach einem halben Jahr

 

Durch Mind-Mapping ins Langzeitgedächtnis

Stellen Sie sich vor, Sie müssten 300 Seiten eines Fachbuchs in den Kopf bekommen. Es ist zwar möglich, aber für normale Menschen nicht sinnvoll, alle Informationen der 300 Seiten auf Plätzen abzulegen. Eine gängige Technik ist das Lesen mit Marker. Die wichtigsten Passagen werden mit dem Marker markiert. Nun gibt es das Problem, dass einige Kapitel anschließend fast komplett gelb oder rot sind. Die Wirkung des Markers ist umso geringer, je mehr farbige Markierungen auf einer Seite sind. Das ist eine Krux, denn wo wenig Wichtiges ist, ist wenig markiert und wird viel gemerkt, und wo viel Bedeutendes steht, ist viel markiert und wenig wird gemerkt.

Um die Wiederholungen zeitlich nicht ausufern zu lassen, sagt man als realistische Faustformel: eine Stunde lernen, eine Minute wiederholen.

Da muss man sich schon auf das Wesentliche beschränken. Angenommen, Sie haben in einer Stunde 40 Seiten durchgearbeitet und das Wesentliche markiert. Eine Minute ist zu wenig, um die 40 Seiten noch mal durchzublättern. Deshalb bringen Sie die 40 – und nachher alle 300 Seiten –  auf einem Blatt unter. Und zwar mit Hilfe von Mind-Mapping.

 

Wichtige Regeln beim Mind-Mapping:

  • nur ein Wort auf einer Linie
  • auf die Linie schreiben und nicht dahinter
  • ein Hauptast hat eine Farbe
  • sieben +/- zwei Hauptäste, nicht mehr

 

Übung: Wir merken uns die zehn größten Städte Europas

Platz 1: London: Stellen Sie sich vor auf Ihrem Platz 1 steht Queen Elisabeth II. Sie trägt einen für Großbritannien typischen Hut. Sie winkt, wie eine Queen winkt.

Platz 2: Berlin: Auf dem zweiten Platz steht ein riesengroßer Eisbär. Er ist 1,50 Meter groß und wiegt 500 kg. Sein Fell ist schneeweiß. Er kommt direkt aus Alaska in Ihr Zimmer.

Platz 3: Madrid: Hier an diesem Platz steht ein Stier mit zwei großen Hörnern. Vor ihm wedelt ein Matador ein rotes Tuch um ihn zu reizen.

Platz 4: Rom: Stellen Sie sich das runde Kolosseum vor. Das Wahrzeichen von Rom. Das größte Amphitheater, der größte geschlossene Bau der römischen Antike.

Platz 5: Paris: Natürlich stellen Sie sich hier den Eifelturm vor. Er steht bei Ihnen im Zimmer und leuchtet wie zur Weihnachtszeit bunt.

Platz 6: Bukarest: Hier steht eine Flasche. In dieser Flasche befindet sich ein Rest Rum. Ein starker, sehr guter Rum.

Platz 7: Hamburg: Stellen Sie sich einen Hamburger vor. Nicht der Mensch, der in Hamburg lebt, sondern der Burger. Ein schöner saftiger Burger mit einer großen Bulette.

Platz 8: Warschau: Auf Platz 8 steht Einstein. Er streckt Ihnen die Zunge raus. Einstein war schlau. Er warsch(l)au.

Platz 9: Budapest: An dieser Stelle Ihres Raumes ist die Pest ausgebrochen. Überlegen Sie sich gut, ob Sie diese Stelle des Raumes noch einmal betreten wollen.

Platz 10: Wien: Ein großes Glas Wiener Würstchen. Wenn Sie es mögen, können Sie sich auch warme Würstchen mit einem Brot dazu vorstellen. Denken Sie daran, wie die Würstchen schmecken.

 

Und was glauben Sie, wie viele der Städte Sie sich gemerkt haben? Wahrscheinlich alle.

Mit dieser Technik können Sie sich alle Art von Informationen merken. Es erfordert Kreativität, Fantasie und Training. Natürlich können Sie sich die Städte auch ganz anders merken. Mit anderen kreativen Ideen.

 

Dieser Vortrag wurde von ca. 60 Mandanten und Mitarbeitern der Steuerberatungsgesellschaft besucht.

Im nächsten Blogbeitrag werde ich Ihnen u.a. davon berichten, wie Sie sich Ihre PIN-Nummer merken können.

 

Quelle: Petersen, Jürgen (2008): brainrunning – neue Wege, S. 1-40 Dieser Beitrag ist nur ein kleiner Ausschnitt aus den im Buch genannten Gedächtnistrainings-Methoden. Ausführliche Beispiele und Übungen finden Sie in der Veröffentlichung von Herrn Petersen.

 

 

Bis dahin wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Training!

Ihr Volker Mühl

 

 


Volker Mühl



Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close