Konzentration – Gastbeitrag von Claudia Schurig

Konzentration 

no phone

no mail

no entry

 

Jeder wünscht sich konzentriert und fokussiert arbeiten zu können und dabei im Flow zu sein. Wie kann das gelingen?

Es gibt zwei grundsätzliche Regeln:
1.Schützen Sie sich vor Unterbrechungen!
2.Vermeiden Sie Multitasking!

 

Nieder mit den Unterbrechungen!

In den letzten zehn Jahren haben sich Unterbrechungen zum maßgeblichen Störfaktor der modernen Arbeitswelt entwickelt.
Wir werden ununterbrochen unterbrochen, durchschnittlich – das belegen Studien – alle 11 Minuten, vor allem durch E-Mails,Smartphone-Nachrichten und Telefonate. Unterbrechungen bewirken den sogenannten Sägeblatt-Effekt. Man reagiert häufig sofort auf die Unterbrechung und es dauert dann einige Zeit, bis man „wieder drin ist“.

Die Folgen ständiger Unterbrechungen sind – wen wundert es – eine geringere Leistung, schlechtere Effizienz, häufigere Fehler, Tagesziele werden nicht erreicht, der Mensch fühlt sich gestresst und ist psychisch weniger belastbar.

Was kann man tun?

  • Handy aus und ggf. das Telefon umleiten.
  • Keine E-Mails zulassen und keine E-Mails checken!
  • Kollegen durch klare Signale von Unterbrechungen abhalten, beispielsweise durch eine kleine rote Plakette an der Tür, die bedeutet: “Bitte vorübergehend nicht stören – nur in Notfällen“ (Eine grüne Plakette signalisiert dann „Gerne herein“.)

Mittlerweise gibt es Unterstützung durch entsprechende Software und Apps. Mit Apps wie „Self-Control“ oder „Freedom“ kann man beispielsweise den Computer für eine gewisse Zeit vom Internet abkoppeln.

Auf jeden Fall: Schaffen Sie sich „Zeitinseln der Ungestörtheit“ oder „Inseln der Konzentration“. Eine Stunde täglich kann schon viel bewirken.

Der Münchner Psychologe Karl Pöppel meint hierzu:“Stellen Sie sich mal vor, wenn eine Firma oder sogar ein ganzes Land jeden Tag mal von elf bis zwölf Uhr nicht kommunizieren würde? Jeden Tag eine Stunde ohne Plingen und Klingeln, dann hätten wir wahrscheinlich den größten Kreativitätsschub in diesem Land, den man sich überhaupt vorstellen kann.“

 

Multitasking ist ein Mythos!

Konzentration ist in einer Büroarbeitswelt voller Ablenkung zu einer der wichtigsten Fähigkeiten geworden. Jeder gesunde Mensch kann sich konzentrieren – manche besser, manche schlechter, das schon. Das ist aber nicht das Problem. Das Problem ist, dass niemand seine Aufmerksamkeit sowohl auf seinen Laptop als auch gleichzeitig auf sein Handy richten kann. Aber alle versuchen es.

Der Mensch ist nicht multitasking-fähig. Das Gehirn muss dabei ständig umswitchen. Je älter man wird, desto anstrengender wird das. Multitasking führt nicht zu Leistungsverbesserungen, weder hinsichtlich der Qualität noch der Quantität. Vergessen Sie alle Versprechungen, die Sie je in diesem Zusammenhang gehört haben. Unser Gehirn kann sich mit voller Aufmerksamkeit nur einer Sache widmen. Das Gehirn kann nicht „mehrgleisig“ fahren. Es kann allerdings sehr schnell zwischen verschiedenen Aufgaben hin und her springen. Und damit ist Multitasking unproduktiv, ineffektiv, unkreativ, erschöpfend und oft sogar gefährlich. Multitasking verursacht Stress, Nervosität und ist auf Dauer gesundheitsschädlich, denn es steigert die Produktion der Stresshormone Adrenalin und Cortisol, die wiederum klares Denken beeinträchtigen.

 

Der Feind ist außen und innen!

Der mit der Konzentration ringende Mensch kämpft an zwei Fronten – mit inneren und äußeren Störenfrieden. Die Ablenkungen von außen haben zweifellos in den letzten Jahren zugenommen. Doch die Störungen von innen sind ebenso schädlich für die Konzentration. Auftauchende Gedanken, Grübeln, Sorgen, Tagträumen sind individuell und je nach Tagesform unterschiedlich ausgeprägt. Unerledigte Projekte gehören zu den gefährlichsten Störenfrieden. Denn  Unerledigtes hat das Gehirn stärker im Griff als Abgeschlossenes. Gedanken kehren immer wieder zu dem nicht beendeten Projekt zurück. Sich konzentrieren heißt auch diese emotionalen Ablenkungen umgehen zu können. Wir können nicht verhindern, dass ablenkende Gedanken auftauchen, aber wir können uns dazu entscheiden, uns zumindest in diesem Augenblick nicht mit ihnen beschäftigen zu wollen. Die beste Strategie in diesem Zusammenhang ist, das Gehirn auszutricksen, indem man das Unerledigte oder die Sorge aufschreibt und später bearbeitet. Es funktioniert überraschend gut.

 

So gelingt es: Durchhalten und üben!

Konzentration stellt sich meist nicht von selbst ein. Aber wir können Konzentration erzeugen oder zumindest Bedingungen schaffen, die konzentrationsfördernd sind.

Je häufiger wir konzentriert einer Tätigkeit nachgehen, desto leichter wird unser Gehirn in diesen Zustand kommen, desto einfacher wird es, für längere Zeit an einer Tätigkeit dranzubleiben. Wenn das Gehirn einer Aufgabe nachgeht, die es fordert, ohne es zu überfordern, erzeugt es Dopamin, das wiederum fördert die Bewältigung der Aufgabe, verbunden mit einem Wohlgefühl.

Jede konzentrierte Tätigkeit, ob bei Arbeit, Hobby, Sport oder Putzen, trainiert gleichzeitig die Konzentrationsfähigkeit. Es geht darum, ganz bei der Sache zu sind (die Weisheit des Zen). Entscheidend ist nicht, was man tut, sondern wie man es tut.

 

Wundermittel „Blaue Stunde“

Der Neurowissenschaftler Dr. Volker Busch empfiehlt als Strategie für mehr Aufmerksamkeit und konzentrierteres Arbeiten eine „Blaue Stunde“ einzuführen. Einmal täglich sollte man sich in einer Aktivität vertiefen und sich dafür eine bestimmte Zeit am Tag reservieren. In dieser Zeiteinheit macht man, was einem sehr wichtig ist und wobei  man ungestört sein will oder sein muss. Störungen von außen blockt man in dieser Zeit konsequent ab. Man kann zunächst mit einer kleineren Zeitspanne beginnen und die Zeiteinheit langsam steigern. Eine gelungene Umsetzung führt zu höherer Performance und größerer Zufriedenheit. Mit der Zeit möchte man seine „Blaue Stunde“ nicht mehr missen. Reizüberflutung hemmt kreative Denkprozesse. Das Gehirn wird durch die schier unfassbare Informationsmenge „verstopft“. Die Reize müssen in Zeiten der Ruhe gelöscht werden. Je mehr Muße bei einer Tätigkeit entfaltet wird, desto aktiver sind die sogenannten Ruhenetzwerke im Gehirn.

 

Konzentrierte Tipps

  • Wir müssen uns trauen, öfter zu sagen: „Jetzt erst einmal der Reihe nach“.
  • Gegen die Verlockungen der sozialen Medien oder gegen die Kollegen mit ihren Fragen hilft praktisch nur eins: Abschottung. Das erfordert in einer Welt, in der dauernde Erreichbarkeit für immer mehr Menschen zum Jobprofil gehört, Mut und Organisation.
  • Einfach mal in einem anderen Raum arbeiten, als sich das eigene Telefon befindet.
  • Sich vor Augen halten: Wenn ich in kürzerer Zeit erfüllter arbeite, habe ich mehr Freizeit.

 

Weiterlesen:

  • Marco von Münchhausen, Konzentration, Offenbach 2016
  • drvolkerbusch.de

 

Claudia Schurig


Volker Mühl



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