Lab Earth

Sie fragten sich nicht zum ersten Mal, ob das wirklich eine gute Idee gewesen war, für ein solch gewagtes Experiment ausgerechnet Menschen auszuwählen. Menschen, diese fragile und arrogante Lebensform, die immer wieder grundlegende Probleme bereitete. Es gab im weiten Universum so viele ausgereiftere Alternativen. Aber nein, ihr Boss hatte nun mal diese Affinität zu den Menschen.
Warum eigentlich? Waren es die Frauen, die so ausgesprochen schön und erotisch sein konnten. Oder war es die ausgesprochen große Bandbreite an Gefühlen, Stimmungen, Charakteren und Fertigkeiten, die die Menschen haben konnten?
Natürlich waren das besondere Eigenschaften. Nur, alle diese Eigenschaften konnten keinen der Verantwortlichen darüber hinwegsehen lassen, dass die Menschen die letztendlich entscheidenden Kriterien für eine nachhaltige Entwicklung nicht mit sich brachten bzw. nicht in den Griff bekommen konnten: Machtgier, Geldgier, religiöser Extremismus und vor allem dieser Egoismus hinderten die Menschen immer wieder daran, dass der Schöpfer des Universums uneingeschränktes Vertrauen zu ihnen fassen konnte.
Doch er versuchte es immer wieder mit ihnen. Nur, irgendwann musste hier Schluss sein. Nicht dass die Zeit im Universum ein Problem wäre. Die Frage war vielmehr, ob die Konstruktion des Menschen an sich funktionierte. Was das Universum brauchte, waren zuverlässige Kreaturen, die ihr eigenes Ich nicht über andere Lebewesen stellten. Denn sonst würde der natürliche Lauf der Dinge in einer Weise durcheinander gebracht werden, dass dies unabsehbare Folgen hätte.
Und die Menschen? Sie meinten, sie müssten der Schöpfung auf die Spur kommen. Sie meinten, sie müssten die Gene in all ihren Einzelheiten kennen, um selbst das Leben vermeintlich besser machen zu wollen. Sie meinten, es müsse arm und reich geben. Man könnte das problemlos fortsetzen…
Mit dem freien Willen von so vielen unzählbaren Lebewesen – das Konzept ging einfach nicht auf. Das hatten schon so viele Versuche an den unterschiedlichsten Stellen im Universum gezeigt. Und jetzt auf dem Planet Erde, den sie extra für diesen Feldversuch konzipiert hatten, zeigte sich wieder, dass es nun mal nicht funktionierte mit den Menschen. Jedenfalls würde er sich jetzt dafür einsetzen, dass dieses Experiment nun bald abgebrochen werden würde und ein für alle Mal Schluss sei mit diesen Menschen, dieser nimmersatten, arroganten Spezies …
Sie waren jetzt schon von Anbeginn des menschlichen Lebens auf der Erde, um die Menschen zu beobachten. Sie waren nicht dazu da, um zu handeln, sondern sie waren dazu da, um zu beobachten. Sie waren dazu da, um zu sehen, zu was die Menschen in der Lage waren und zu was nicht. Immer wieder gab es Momente, in denen sie dachten, jetzt könnte es klappen mit den Menschen. Es gab hoffnungsvolle Momente und Entwicklungen, doch dann tauchten immer wieder Menschen auf, die alles zunichte machten. Was hatten sie nicht schon alles erlebt. Das lässt sich gar nicht alles darstellen. Natürlich waren da auch schöne Momente. Aber letztlich wurden sie immer zunichte gemacht.
Oder ist da doch noch Hoffnung? ..

„Der Grund, warum Vögel fliegen können und wir nicht, ist der, dass sie voller Zuversicht sind und wer zuversichtlich ist, dem wachsen Flügel.“
Sir James Matthew Barrie (1860 – 1937),
schottisch-englischer Dramatiker und Erzähler, Schöpfer des „Peter Pan“


Volker Mühl



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