Von Werten, Prinzipien und Charakter – zugleich ein Wunsch für 2017!

Während der Weihnachtsfeiertage hatte ich die Gelegenheit ein sehr interessantes Buch zu lesen:
Stephen R. Covey, „12 Gründe des Gelingens oder das Geheimnis wahrer Größe“. Ich möchte Ihnen gerne davon erzählen.

 

Der Unterschied zwischen Werten und Prinzipien

 

Viele Menschen sagen: „Ich habe meine eigenen Werte und die sind so gut, wie die Werte jedes anderen.“ Unternehmenslenker sagen: „Unser Unternehmen ist werteorientiert.“
Politiker äußern: „Unsere Gesellschaft muss wieder werteorientierter werden.“

Jeder Mensch, alle Unternehmen und jede Gesellschaft ist werteorientiert. Die eigentliche Frage lautet aber, ob die Werte, an denen sich Individuen, Unternehmen und Gesellschaften orientieren, auf Naturgesetzen, sogenannten Prinzipien basieren, denn diese bestimmen am Ende ohnehin das Geschehen.

Das erklärte Leitbild und die Werte der Mitglieder einer plündernden und brandschatzenden Bande beispielsweise können durchaus wie das Leitbild eines ehrenwerten Unternehmens klingen – sie müssen nur Begriffe wie Teamarbeit, Kooperation, Treue, Rentabilität, Innovation oder Kreativität verwenden. Das Problem ist nur, dass ihr Wertesystem nicht auf den Naturgesetzen der Ehrlichkeit und des Respekts basiert.

Wir selbst brauchen ein prinzipienorientiertes Leitbild genauso wie unsere Unternehmen und unsere Gesellschaft insgesamt, um klare Leitplanken und eine eindeutige Richtung zu haben.

 

Was die meisten Menschen wollen

 

Unabhängig von Religion, Kultur und Herkunft bringen die meisten Menschen in ihren Leitbildern, die Covey bei deren Erstellung selbst betreut hat, stets folgende elementare Bedürfnisse zum Ausdruck (vgl. Stephen R. Covey, 12 Gründe des Gelingens oder das Geheimnis wahrer Größe):

Die Menschen wollen

• leben (körperliches und finanzielles Wohlergehen),
• lieben (soziales Wohlergehen),
• lernen (mentales Wohlergehen) und
• ein Vermächtnis hinterlassen (seelisches Wohlergehen).

 

12 Prinzipien für ein gelingendes Leben

 

Diese Ziele/Bedürfnisse lassen sich als Individuum am besten erreichen, wenn man folgende 12 Prinzipien verinnerlicht und danach seine Werte ausrichtet (vgl. Stephen R. Covey, 12 Gründe des Gelingens oder das Geheimnis wahrer Größe):

• Authentisch sein
• Sich einbringen
• Die eigenen Prioritäten leben (Anm: und sich nicht von anderen steuern lassen)
• Sich zurücknehmen
• Das Gegenüber wahrnehmen
• Verantwortung wahrnehmen
• Nicht schlecht über Dritte reden
• Win/Win-Denken
• Vielfalt suchen und fördern
• Nicht aufhören zu lernen
• Kraft aus der eigenen Erneuerung schöpfen
• Gelerntes weitervermitteln

Es gibt sicherlich noch mehr Prinzipien, aber das sind die Mindestprinzipien für ein gelungenes Leben, die überall auf der Erde gelten – unabhängig von Religion und Kultur.

 

Grundrechte nach dem Grundgesetz

 

Unser Grundgesetz enthält in den Artikeln 1- 19 viele Prinzipien für unsere Gesellschaft in Form von Menschen- und Bürgerrechten, die wir zu beachten haben, weil sie an sich Naturgesetze sind. Ich möchte sie gerne aufzählen, damit man sie sich wieder einmal bewusst macht.

Artikel 1 [Menschenwürde; Grundrechtsbindung der staatlichen Gewalt]
Artikel 2 [Allgemeine Handlungsfreiheit; Freiheit der Person; Recht auf Leben]
Artikel 3 [Gleichheit vor dem Gesetz; Gleichberechtigung von Männern und Frauen; Diskriminierungsverbote]
Artikel 4 [Glaubens-, Gewissens- und Bekenntnisfreiheit]
Artikel 5 [Meinungs-, Informations-, Pressefreiheit; Kunst und Wissenschaft]
Artikel 6 [Besonderer Schutz von Ehe und Familie; nichteheliche Kinder]
Artikel 7 [Schulwesen]
Artikel 8 [Versammlungsfreiheit]
Artikel 9 [Vereinigungs-, Koalitionsfreiheit]
Artikel 10 [Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnis]
Artikel 11 [Freizügigkeit]
Artikel 12 [Berufsfreiheit; Verbot der Zwangsarbeit].
Artikel 12a [Wehr- und Dienstpflicht]
Artikel 13 [Unverletzlichkeit der Wohnung]
Artikel 14 [Eigentum, Erbrecht, Enteignung]
Artikel 15 [Sozialisierung]
Artikel 16 [Verbot der Ausbürgerung, Auslieferung]
Artikel 16a [Asylrecht]
Artikel 17 [Petitionsrecht]
Artikel 18 [Verwirkung von Grundrechten]
Artikel 19 [Einschränkung von Grundrechten; Wesensgehalts-, Rechtswegegarantie]

Ich nehme wahr, dass viele Menschen in unserer Gesellschaft dazu neigen, nach einer bestimmten Zeit einerseits vieles als selbstverständlich zu nehmen und damit bezogen auf sich selbst eine schier unerschöpfliche Großzügigkeit bei anderen einfordern (z.B. staatlichen Organisationen, Arbeitgeber usw.). Andererseits sind sie sehr engstirnig und kleinlich, wenn sie selbst etwas geben oder abgeben sollen. Viele Menschen haben eine von Existenzangst und Verlustangst getriebene Mangelmentalität kombiniert mit Neid- und Mißgunstgefühlen.

Diese Gemengelage machen sich populistische Parteien zunutze, um diese Art von Menschen aufzupeitschen und zu lenken. Sie nehmen dabei in Kauf in hohem Maße gegen menschliche Prinzipien zu verstoßen. Sie tun dies mit der Darstellung vermeintlicher Werte, die jedoch teils in hochgradiger Art und Weise gegen natürliche Prinzipien verstoßen.

Über vieles wird man sich erst so richtig bewusst, wenn man es nicht mehr hat. Dies gilt insbesondere für alles, was mit Freiheit und Frieden zu tun hat, aber natürlich auch für Gesundheit und das Leben an sich.

Bevor man also auf Geheiß gewisser populistischer Kräfte anderen Menschen Rechte absprechen will (z.B. Asylrecht), sollte man genauer darüber nachdenken und sich bewusst machen, was dies bedeuten würde bzw. bedeutet: für die Menschen, die es unmittelbar betrifft und langfristig auch für einen selbst und seine Familie. Es muss und wird nicht so bleiben wie es ist. Und vielleicht kommt in der Zukunft, was wir nicht hoffen wollen, auch einmal eine Situation, wo wir selbst Asyl brauchen. Das hat gerade unsere deutsche Vergangenheit gezeigt.

 

Verhalten von Unternehmen gemessen an ihrem Leitbild. Deutsche Bank und VW als Beispiel

 

Betrachten wir einmal das wahrnehmbare Verhalten von zwei großen deutschen Unternehmen in der letzten Zeit:

Die Deutsche Bank etwa hat ein umfassendes Unternehmensleitbild.
Wenn man das liest, bekommt man Tränen in die Augen. So toll. Leistung aus Leidenschaft! Wie oft haben wir die Werbesprüche in den Medien gesehen, gehört und gelesen.

Und wie sieht die Realität aus?

Deutsche Bank weltweit in etwa 7800 Prozesse verwickelt.
Deutsche Bank muss in Summe 7,2 Milliarden Dollar Strafe für windige US-Hypothekengeschäfte im Vorfeld der Finanzkrise leisten.

 

Oder wie sieht es bei Volkswagen aus?

Das Leitbild von Volkswagen

O-Ton VW: „Die Beiträge auf dieser Seite verdeutlichen, in welchen Bereichen wir unserer unternehmerischen Verantwortung gerecht werden: Verantwortung für die Umwelt, unsere Mitarbeiter, die Produkte sowie die Gesellschaft.“

Wie die Wirklichkeit aussieht, ist uns allen hinlänglich bekannt.

Und aufgrund dessen die Freisetzung von 30.000 Mitarbeitern.

Das sind natürlich nicht die einzigen Unternehmen, die man an dieser Stelle anpacken kann. Es gibt sie in jeder Nation, weltweit. Und natürlich haben diese und andere Unternehmen auch viel Positives bewirkt.

Es ist aber eine gewisse Entwicklung im negativen Sinne festzustellen. Ein verbreiteter, wenn auch unausgesprochener Wert in vielen Unternehmen ist Gier. Diese Gier verträgt sich schlecht mit Gewinnstreben, das auf Prinzipien basiert.
Solche Verzerrungen wie Gier können sehr leicht dazu führen, dass die Akteure und Beteiligten ihren inneren Halt verlieren. Sie werden wankelmütig und zweifelnd, verlernen den „aufrechten Gang“ und erleben einen inneren Taumel.

 

Charakter ist wichtiger als Kompetenz

 

Manche Menschen sagen, sie könnten die Gewissensschlacht nie gewinnen, weil die Notwendigkeit sie oft zwinge zu Lügen, Ausflüchten und zu Strategiespielen zu greifen. „Das ist nun mal Teil unseres Jobs“, sagen sie. Oder einfach nur: „Das ist der Job!“

Viele Menschen in verantwortlicher Position, sei es Wirtschaft und Politik oder anderen Bereichen, sind überflutet von Aktivitäten, Geräuschen, Einflüssen, sozialen Medien und fehlerhaften Paradigmen, die sie unempfänglich machen für jene ruhige innere Stimme, die uns die „wahren“ Prinzipien lehren.

An dieser Stelle zeigt sich der fehlende Charakter solcher Menschen, insbesondere fehlende Authentizität, eine innere Spaltung sowie die Unfähigkeit solcher Menschen ihr Gewissen und ihre innere Stimme zu hören und auch zu befolgen.

Nur ein Leben ohne Schein und Trug ist wirklich erstrebenswert.

 

Fehlende emotionale Reife

 

Jemand mag noch so gebildet sein, aber wenn die emotionale Reife fehlt, kann ihm gerade dieses Wissen zum Verhängnis werden. Fähigkeiten sind kein Ersatz für Charakter. Heutzutage werden die meisten Menschen vornehmlich auf Kompetenz und nicht auf Charakter geschult, trainiert und ausgebildet.

Was bedeutet das eigentlich für unsere Erziehung, Bildung, Ausbildung und Fortbildung?

In allen Bereichen unseres Lebens ist der Charakter der entscheidende Faktor für langfristigen Erfolg.

Wir sollten ein Leben führen, in dem sich das Sein nicht vom Schein unterscheidet und in dem wir Versprechen geben und einhalten, mit dem Ziel, dass alles was Persönlichkeit ausmacht – unsere Sinne, unser Denken, unser Fühlen und unsere Intuition – miteinander harmoniert und ein Ganzes bildet.

 

(De)mut

 

Demut ist die Mutter aller Tugenden. Die Demütigen kommen im Leben voran, weil sie sich bereitwillig den Naturgesetzen und universellen Prinzipien unterordnen und versuchen, in Harmonie mit ihnen zu leben.

Mut ist der Vater aller Tugenden. Wir benötigen viel Mut, um unser Leben nach korrekten Prinzipien zu führen und sich im Moment der Entscheidung selbst treu zu bleiben.

 

Schlüssel zu einer gesunden Gesellschaft

 

Keine politische, ökonomische oder pädagogische Reform kann gelingen, solange sie nicht an wahren Prinzipen ausgerichtet ist. Der Schlüssel zu einer gesunden Gesellschaft liegt darin, den gesellschaftlichen Willen zu mobilisieren und ein Wertesystem zu schaffen, das sich an korrekten Prinzipien orientiert. Wenn man sich von allen Prinzipien unabhängig erklärt, steht am Ende eine kranke Gesellschaft mit kranker Struktur und mit verzerrten Werten.

 

Ich wünsche mir für das Jahr 2017, dass auf jeder Ebene menschlichen Handelns immer mehr nach diesen Prinzipien gedacht und gehandelt wird.

Dann ist automatisch kein Platz mehr für all das, was die Menschen trennt. Und das kultur- und religionsübergreifend.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihren Familien alles erdenklich Gute im Jahr 2017.

Ihr
Volker Mühl


Volker Mühl



Kommentare

Gerald Schermuly says

Hallo Volker , ich danke Dir für Deinen guten Wünsche und Deine tollen Blogs ... "Alle Achtung" ... ich finde Deine Themen interessant und Deine Texte gehaltvoll !!! Auch ich wünsche Dir und Deiner Familie ein gutes Jahr 2017, in dem Du weiterhin die Zeit für Deine Blogs findest ... liebe Grüße .... Gerald Schermuly

Antwort von Volker Mühl

Hallo Gerald,

Vielen Dank für die Anerkennung
und Dir auch noch alles Gute im
Neuen Jahr.

Beste Grüße

Volker

C.H. says

2 Jahre später und immer noch top aktuell. Vielen Dank für die tolle Zusammenfassung! Wenn jeder ernsthaft versucht danach zu leben, wäre vieles einfacher und erfüllter. Aber auch jeder einzelne kann für sich allein davon profitieren. Danke!

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