Wie man Aufträge angelt und mit Fischen spricht – Gastbeitrag Claudia Schurig

Für Sie gelesen: Wie man Aufträge angelt und mit Fischen spricht – Volker Remy 

Gastbeitrag von Claudia Schurig, Weilburg

Prokuristin der MCP Mühl Christ Partner Management Consulting GmbH 

 

 Volker Remy (1960 – 2014) stammt aus Weilburg und war Autor, Werbetexter und Kommunikationsberater. In seinem Buch schreibt er über die Auftragsakquise und wendet sich dabei vor allem an kreative Dienstleister. Remy schreibt lustig, locker, flott, teilweise auch provokativ. Akquirieren ist für ihn Aufträge angeln und die Entscheider, also die Menschen, die die Aufträge vergeben, sind die Fische. Er bedient sich durchweg der Angelsprache und konstruiert erstaunliche Parallelen.

Auch wer Fische eigentlich nicht mag (so wie ich), dürfte sich angesprochen fühlen, nicht zuletzt aufgrund der Illustrationen, die aus Smoliks Großem Illustrierten Tierbuch aus den 60er Jahren stammen. Das Buch ist nicht neu, es stammt aus 2007. Die Welt hat sich inzwischen natürlich gedreht –  mehr als einmal. Aber die Entscheider-Typologie, die Remy entwickelt hat, ist klassisch und diese möchte ich Ihnen vorstellen.

 

Wer sind also die Menschen, die sich für oder gegen Sie entscheiden?

 

Es können Bachforellen, Seepferdchen, Hechte und Moderlieschen sein.

 Am besten ist es, wenn Sie mit einem Moderlieschen zu tun haben.

Es zählt zu den umgänglichen Entscheidern. Moderlieschen sind ausgesprochen neugierig und leutselig, stets in aufgeräumter Stimmung. Probleme werden partnerschaftlich gelöst. Dieser Typ Fisch ist pflegeleicht, ein aufmerksamer Beobachter, stets gut vorbereitet und handelt sachlich-pragmatisch. Wenn Sie mit einem Moderlieschen nicht klarkommen, liegt es an Ihnen und Ihren sozialen Befähigungen. Moderlieschen mögen es nicht, wenn man ihnen reserviert gegenüber tritt. Die Frage nach dem Erstgespräch ist: Wer hat hier wen geangelt?

 

 Bachforellen sind sportlich-aggressive Alleswoller und nicht ganz unproblematisch.

 Dieser Entscheidertyp fordert eine Menge, testet Sie und genießt dabei Ihre verzweifelte Ausdauer. Es macht ihm Spaß, den Angler zappeln zu sehen – dabei ist er doch der Fisch! Bachforellen sind bisweilen unberechenbar und opportunistisch. Der Beste im Umgang mit einer Bachforelle ist: Komplimente machen.

 

 Schwebende Rätsel – doch einfach zu lösen: die Seepferdchen.

Ihr Aussehen verwundert uns genauso wie ihre Art sich fortzubewegen. Doch so exotisch ihr Aussehen, so gegensätzlich ihr Charakter. Seepferdchen-Entscheider sind lustlos bis phlegmatisch, manchmal sogar faul. Sie sind Mitte vierzig und teilen ihre Energien ausgesprochen rational ein, was bedeutet: Sie tun die Arbeit, er wird es sich gutschreiben. Ein Seepferdchen engagiert nur solche Dienstleister, die ihm keine Arbeit machen. Man muss Seepferdchen nehmen, wie Sie daher geschwebt kommen. Man lockt sie nicht aus der Reserve, aber sie reden auch nicht rein. Seepferdchen mögen Pünktlichkeit, Verlässlichkeit und sachliche Informationen.

 

Wenn Sie es mit einem Hecht als Entscheider zu tun haben, müssen Sie alle Register ziehen. Er ist der Typ, der seinen Dienstleister mit Haut und Haaren verschlingt. Er fordert alles und kämpft verbissen darum, nicht den ganzen Preis zahlen zu müssen. Die Zusammenarbeit ist kein Zuckerschlecken. Aber wenn Sie ihn beeindrucken, zollt er Anerkennung. Sie beeindrucken einen Hecht, wenn Sie gut vorbereitet, mit Argument gut versorgt und nicht auf den Mund gefallen sind.

 

Haben Sie keine Angst vor einem Hecht. Versprechen Sie nie etwas, das Sie nicht auf der Stelle liefern können.

 

Zuletzt möchte ich noch zwei Aussagen von Volker Remy vorstellen, die zum Nachdenken anregen:

Zum Thema Perfektionismus:

„Für alle, die noch leben, gilt: lebendig sein. Perfekt sein bedeutet heute, überzeugen können. Wer andere führt, begeistert und mitreißt, dem ist etwas Perfektes gelungen. Ob er dabei perfekt war, bleibt zweitrangig.“

Zum Thema Positionierung:

„In einer Position verharrt man nur bis zum Startschuss. Dann muss man sich bewegen. Richtung Ziel.“

 

 

In diesem Sinne: Petri Heil!

Claudia Schurig


Volker Mühl



Kommentare

Iris Müller says

Liebe Claudia,
köstlich! Auf der einen Seite zum Schmunzeln - auf der anderen Seite zum Nachdenken und Reflektieren über sich selbst ...
Wunderbar! Weiter so!

Schreib' doch mal einen Roman :-)

Ich bin gespannt auf Deinen nächsten Beitrag.

Liebe Grüße

Iris

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